Da die Familie welche dieses Erlebnis hatte nicht namentlich genannt werden möchte, so nenne ich sie einfach „Familie Fässler“.

 

Das Marderproblem vor der Haustüre.

 

Die Familie Fässler bewohnt ein nettes Häuschen in einem Außenbezirk von Dornbirn. Im Klartext nennt man so eine Wohngegend „Natur pur“. Aber das man in einer entlegenen Gegend nicht alleine wohnt, dass hat Familie Fässler bald gemerkt. Es ist also falsch, wenn ein Städtler behauptet, die Ländler sind alleine.

Wird also der Städtler durch dessen netten Nachbarn Radau gestört, so kommen die abgelegenen Ländler durch die Aktivität der Nachttiere zum Handkuss.

 

Kurz und gut.

Als eines Tages die Familie Fässler nach einem Wochenendeinkauf in ihr trautes Heim zurückkehrte, so wurden sie auf ein Herzzerreißendes Gequieke hinter ihrem Hause aufmerksam. Nach kurzem Suchen fanden sie drei junge Steinmarder auf der hinteren Mauer. Da jedoch diese Familie kein Herz aus Stein hat, so kümmerten sie sich fortan um diese „niedlichen“ Jungmarder. Die Tiere wurden mit einer lauwarmen Milch in einem Töpfchen gefüttert. Jeden Tag warteten die Tiere auf ihren Wohltäter und das exakt einen Monat lang.

Nach diesem Monat zeigten die Marder dem edlen Spender gegenüber plötzlich ein aggressives Verhalten. Ihre Gönner wurden nicht mehr als Wohltäter begrüßt, sondern angeknurrt.

Familie Fässler stellte sogleich die Fütterung ein, denn es wurde ihnen klar, dass der Zeitpunkt zum Abschiednehmen da war. Das sahen die drei Steinmarder aber anders, denn selbst nachdem die Fütterung eingestellt wurde, blieben die Marder der Familie weiter treu. Kam die Familie Fässler am Abend später nach Hause, so wurden sie schon bei der Garage von den Mardern begrüßt. Herr und Frau Fässler wurde dabei beim Gehen von den Mardern umsprungen, ja, einmal schlüpfte Herrn Fässler sogar ein Marder beim Hosenröhrchen hinein.

Wohl bemerkt. Mit der Hand angreifen ließen sich die Marder niemals. Sie wichen bei jedem Versuch sofort zurück.

Familie Fässler erkundigte sich beim Revierförster ob es vielleicht möglich wäre, die Marder auch ins Haus zu lassen. Dieser riet ihnen aber strikt von diesem Unterfangen ab, denn die Marder würden somit nicht mehr zum „Bremsen“ sein und im Hause erhebliche Schäden anrichten. (Den Vorhang hochklettern, über Schränke springen und so weiter.) Kurz um. Die Familie befolgte den Rat des Revierförsters.

Da die Marder weiterhin nur bis zur Haustüre durften, so begannen sie wie es eben so für Tiere üblich ist, ihr Revier zu markieren. Sie setzten der Familie Fässler von nun an jeden Tag einen Marderkot auf den Schuhabstreifer.

Wer denkt den schon daran, dass einem jemand vor die Haustüre „scheißt“. Infolge wurde in den ersten Tagen der „Begrüßungsschiss“ regelrecht im Schuhabstreifer breit getreten. Weiteres durfte die Familie vor der Haustüre keine Schuhe mehr stehen lassen, da diese hernach am folgenden Tag im Wald verschwunden waren. Dieses Vergnügen hatte Familie Fässler über mehrere Jahre hinweg. Man kann verstehen wenn sie heute sagen, dass ihnen das Lachen so manches Mal verging.

Doch wie das Leben einmal so spielt, so hat alles früher oder später sein Ende, so auch die abenteuerliche Geschichte der drei Marder. Eines schönen Tages verschwanden sie auf nie mehr Wiedersehen. Sind sie eines natürlichen Todes, durch die Flinte des Jägers, in einer Falle gefangen oder von einem Auto überfahren worden. Ja diese Frage blieb bis heute unbeantwortet.

Trotz allen Ärgers den die drei Steinmarder der Familie immer wieder beschert haben, (wer putzt den schon gerne über Jahre die Scheiße vor der Haustüre weg) denken sie heute noch mit ein wenig Wehmut zurück, denn irgendwie fehlt ihnen diese doch recht herzliche Begrüßung dieser Tiere bei jeder Heimkehr in das traute Heim.

 

Was passierte aber mit dem Alttier, welchem die Familie Fässler dieses Vergnügen zu verdanken hatte. Dieses Alttier wurde nach dem Abtragen eines Holzstoßes darunter mumifiziert gefunden. Die alte Fähe wurde wie sich später aus Gesprächen mit Nachbarn herausstellte, von einem Auto überfahren und trotz nachfolgender Suche nicht gefunden. Sie hat sich also noch mit letzter Kraft unter diesen Holzstoß geschleppt und ist dort verendet.

 

 

 

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Marderkot auf dem Schuhabstreifer.

Dieses markieren ist wie hier kein Einzelfall.

Da der Steinmarder ja ein Kulturfolger ist, so ist er in menschlichen Behausungen recht oft anzutreffen. Solche Markierungen auf Schuhabstreifern konnte ich schon öfters begutachten. In einem Fall sogar vor der Haustüre eines Revierjägers. Dieser findet es allerdings überhaupt nicht lustig, denn es ist im bis Dato nicht gelungen diesen Marder zur Strecke zu bringen. Es ist wie verhext. Wartet er mit der Flinte im Auto auf das Erscheinen des Marders, so wartet er vergebens. Geht er aber ins Bett, so ist die Lage am nächsten Tag „beschissen“.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hoch drob über der Stadt Ems (Hohenems) steht dieses Schloss, welches sich noch heute in gräflichen Besitz befindet.

Das Schloss wird Glopper oder auch Neu – Ems genannt. Es wurde um 1343 erbaut und hat so manch schwierige Zeit überdauert.

Den letzten Marderkot, welchen ich an einer nicht alltäglichen Stelle fand, befindet sich im Dachgeschoss dieses Schlosses.

Es ist mir ein Rätsel, warum Steinmarder auf einen zwanzig Meter hohen Turm klettern und dort markieren.

Ich habe den Aufstieg des Marders hernach an der Außenwand des Schlosses so gut wie es nur ging gesucht, aber es war mir nicht möglich einen einzigen Hinweis zu finden. Es gibt weder eine Ranke noch ein Baum, welcher den Tieren von außen dazu behilflich sein könnte, um sie bequem in den Turm zu geleiten. Sie müssen praktisch direkt an der Mauer kerzengerade hinauf und herunter klettern.

Eine Glanzleistung, denn mir wurde schon beim Hinunterschauen aus dem Turmfenster regelrecht mulmig.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ich den Turm dieses Schlosses überhaupt besteigen konnte, habe es nur unserer Stadtbekannten Künstlerin Beate Luger zu verdanken. Sie hatte vor einigen Jahren eine Ausstellung mit Gemälden und sonstigen Kunstgegenständen in diesen alten Gemäuern und erlaubte mir auf meine Bitte, „doch einmal wie einst die Ritter einen Blick ins Rheintal werfen zu können“, den Aufstieg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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